Sonntag, 30. Mai 2010

"Erst denken, dann reden"

Ich bin an der Volkshochschule Essen Fachbereichsleiter für Sprachen und obwohl ich in den letzen Jahren eine deutliche Verbesserung der Sprachlehrwerke im Hinblick auf Kooperation, Gruppenarbeit und das Entwickeln von Lernstrategien bemerke, lassen viele Lehrwerke (insbesondere für seltener unterrichtete Sprachen) hier noch einiges zu Wünschen übrig. Eine einfache Möglichkeit, traditionelle Aufgabenstellungen zu "pimpen", um Kooperation und Reflektion in die Aktivität zu bringen ist "Think-Pair-Share". Das bedeutet eigentlich nichts anderes, als Lernende erst denken und danach reden zu lassen. Denn, wie N. Green sagt:
Research has shown that allowing students "wait time" for silent thinking after questions are posed, leads students to give more elaborate answers, use more logical arguments to support inferences and give more speculative responses. It also encourages increased discussion and participation as well as leading to improved achievement.

Das Verfahren ist einfach:
Anstatt die vorgesehene Aufgabe im Lehrbuch direkt in Partnerarbeit bearbeiten zu lassen, fügt man einen wichtigen Schritt hinzu. Zunächst soll die Aufgabe von jedem einzeln bearbeitet werden (Phase "Think"). Im nächsten Schritt (Phase "Pair"), finden sich die Lernenden zu Paaren zusammen (öfter mal mischen, damit sich nicht immer die gleichen Denkmuster und Lernniveaus in den Paaren finden).  Nun sollen sich die Paare zur Aufgabenstellung austauschen, die Antworten reflektieren und, falls die Aufgabenstellung geschlossen ist (also es nur entweder richtige oder falsche Antworten gibt), sich auf eine einzige Lösung pro Paar einigen (Phase "Share"). In diesem Einigungsprozess müssen sich also die Teammitglieder bei abweichenden Antworten gegenseitig von der richtigen Lösung überzeugen. Hier findet dann ein deutlich höherer Grad an Reflektion und Vertiefung statt, als das in der Regel die ursprüngliche Aufgabe hergegeben hätte.


Meine Erfahrung zeigt, dass so vielfach gute Diskussionen über den Lernstoff entstehen und ich als Lehrender entlastet werde, da Teilnehmende sich gegenseitig unterstützen, vor Fehlern bewahren und den Lernstoff noch einmal gegenseitig erklären.


Link:
Norm Green: "Listen Think Pair Share Problem Solving": http://www.learn-line.nrw.de/angebote/greenline/lernen/downloads/listen_think_pair.pdf

Donnerstag, 27. Mai 2010

Schaubild: moodle Tool Guide

Joyce Seitzinger hat in ihrem Blog "Cat's Pyjamas" ein wunderbares Schaubild über den Einsatz der moodle Module veröffenntlicht, strukturiert nach den möglichen Einsatzgebieten "Wissenstransfer", "Wissenstest", "Kommunikation und Interaktion", "Kollaboration" und kategorisiert in die Lernzieltaxonomie nach Bloom.  Eine gute Übersicht, wie ich finde:

http://www.cats-pyjamas.net/2010/05/moodle-tool-guide-for-teachers/

Freitag, 21. Mai 2010

Google Docs

Vor einiger Zeit habe ich in meinem damaligen Blogversuch ein Video veröffentlicht, das den Nutzen von Google Docs im Fremdsprachenunterricht zeigt:



Google Docs eignet sich also hervorragend für kollaborative Schreibaktivitäten im Unterricht. Seit damals hat sich noch einiges getan bei Google Docs.So ist z.B. der Editor runderneuert worden und man kann Dokumente über einen Link zur Bearbeitung freigeben (auch für Nutzer ohne Google-Konto). Gerade die letze Funktion macht den Einsatz im Unterricht (insbesondere mit Schülern) interessant, da die Notwendigkeit, für alle Schüler ein Google-Konto zu haben, weggefallen ist. Erste Erfahrungen mit dem Einsatz von Google Docs im Deutsch- und Chemieunterricht hat Maik Riecken hier schon beschrieben. Weiterhin gelten natürlich auch alle in meinem Video gezeigten Vorzüge für einen Einsatz. Also, probieren Sie's doch auch mal aus!

Mittwoch, 19. Mai 2010

Sprachen und Beruf 2010

Auch wenn der Rest der edumorph Website noch nicht steht (die Zeit ist knapp und ich bin weiß Gott kein Webdesigner), möchte ich doch schon mal langsam mit dem bloggen anfangen.

[caption id="" align="aligncenter" width="478" caption="Bildquelle: http://www.sprachen-beruf.com"][/caption]

Vom 3.-5. Mai fand im Lindner Konferenzhotel in Düsseldorf die diesjährige Sprachen und Beruf Konferenz statt. Michael Tighe und ich haben dort einen Pre-Conference Workshop mit dem Titel "Business English Today: Tech Tools, Tipps and Tricks" geleitet. Ziel war es, Business English Trainern zu zeigen, wie viele einfache Web 2.0 Anwendungen es gibt, die einen kollaborativen Englischunterricht unterstützen können. Vorgestellt und reflektiert wurden unter anderem kollaboratives Mindmapping (z.B. Mindmeister), Wallwisher als online Pinnwand für Feedbackabfragen und Informationsaustausch (z.B. ein Kennenlernspiel), kollaboratives Vokabeltraining mit Cobocards, kollaboratives Schreiben mit Wikis, piratepad, Google text und Tabellen & Co, sowie erweiterte Suchfunktionen für das Auffinden von legal wiederverwendbaren Bildern. Zwischendurch gab es immer mal wieder  Tricks aus der Trickkiste des Kooperativen Lernens (z.B. Aufgaben aus dem Lehrbuch mit Think-Pair-Share aufwerten). Unser Launchpad für die Teilnehmeraktivitäten finden Sie hier...

Während der Konferenz waren für mich, wie so oft, die vielen kleinen Gespräche während des Speakers Dinner (besonders mit Henny Rönneper vom Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Michael Hogan (LTC), Benjamin Joseph (Trainig Express) und Duane Sider von Rosetta Stone), der Kaffepausen und über Mittag ein besonderes Highlight. Zwei der vielen interessantenVorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops möchte ich jedoch auch in diesem kurzen Bericht erwähnen.

Ewan Frendo stellte sein neues Lehrwerk "Working in Asia"vor. Zum einen war der Vortrag interessant und kurzweilig, auch durch den geschickten Einsatz von Prezi, was eine willkommene Reanimation nach dem Death by Powerpoint war. Weitaus wichtiger ist für mich aber das Konzept des Lehrwerks. Working in Asia lehrt Englisch als Lingua Franca für Deutsche, die im asiatischen Raum Englisch beruflich einstezen wollen (oder müssen?). Es gibt viele interkulturelle Tipps und Wissenvermittlung, z.B, durch Übungen wie "Wie kann ich ohne meine Gastgeber zu beleidigen, eine Einladung zum Hunderestaurant ablehnen?". Darüberhinaus sind für die Hörverständnisübungen durchweg Aufnahmen von deutschen oder asiatischen Muttersprachlern verwendet worden, um das Ohr schon einmal an die andere Aussprache zu gewöhnen.

Der andere Workshop, der für mich besonders inspirierend war, war David Trickeys Session "Intercultural Management", in der er auf unglaublich anschauliche Weise zeigte, wie unterschiedlich Low Context und High Context Kulturen funktionieren und was das für Konsequenzen für erfolgreiches Interkulturelles Projektmanagement bedeutet. Seine Email-Aktivität wird wohl schon von manch einem der anwesenden Trainer erfolgreich ins eigene Trainingskonzept übernommen worden sein.

Intercultural Management