Montag, 13. Dezember 2010

Folienvorleser...

Ich bin eigentlich ein echt netter Typ
und hab (fast) alle Menschen lieb.
Aber von Wesen,
die mir Ihre Folien vorlesen,
wünscht ich, dass ihre Anwesenheit unterblieb!

Ich weiß, der Limerick oben ist weder künstlerisch wertvoll noch besonders witzig, aber er drückt aus, was in mir passiert, wenn ich einem Vortrag eines Folienvorlesers ausgesetzt bin. Während so eines Vortrags ist der Limerick nämlich entstanden.

Ich kann es nicht mehr ertragen, wenn Redner mir ihre Folien vorlesen. Ich empfinde das als vorsätzliche Körperverletzung, da so ein Vortrag es mir unmöglich macht, mich von den (bei meiner Länge zwangsläufig) zu kleinen Sitzmöbeln abzulenken, auf denen ich Platz nehmen muss. Außerdem wollte ich ja vom Redner etwas lernen!

Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie hochgebildete Dozenten, Doktoren und Professoren (darunter auch Menschen, die es aufrund ihres Spezialgebiets wissen müssten)  denken können, sie könnten schneller reden, als ich lesen.
Im Durchschnitt spricht ein Mensch mit einer Geschwindigkeit von 120 bis 180 Wörtern pro Minute (http://goo.gl/sRjon). Ich kann ohne mich besonders anstrengen zu müssen aber mit einer Geschwindigkeit von 290 bis 310 Wörtern pro Minute lesen (http://www.spreeder.com/).

Das muss doch zu innerer Unruhe, Ungeduld und Frust bei Zuhörenden führen, wenn der Redner (der Experte) mit den Zuhörern (den Laien) nicht mithalten kann. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass längere Texte nur in ein Handout gehören und/oder dass man evtl. mal eine Lesepause zur Verfügung stellen sollte. Am besten finde ich es aber, wenn längere Text mit eigenen Worten zusammengefasst und nur Schlüsselkonzepte auf Folien (möglichst textfrei) visualisiert werden.

Wer das auf unterhaltsame Art lernen möchte, sollte sich folgende Bücher auf den Wunschzettel schreiben (keine Angst, auch Folienvorleser werden vom Christkind bedacht!):

ZEN oder die Kunst der Präsentation
Auf der Serviette erklärt
Was bleibt (bitte nicht vom Wort Werbung im Untertitel abschrecken lassen. Es ist kein Marketingbuch!)


Achtung: Ich kann selber nur für die englischen Originalfassungen bürgen. Die Übersetzungen habe ich nicht gelesen...

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