Freitag, 1. Juli 2011

Google+



So, jetzt habe ich auch einmal einen ersten Blick auf Google+, Googles Antwort auf Facebook, werfen können. Fazit:
Es sieht sehr vielversprechend aus. Vieles wirkt entsprechend der Google Philosophie einfacher und klarer im Design.

Viele Funktionen sind leichter zu finden und nicht so versteckt wie auf Facebook. So z.B. das Pendant zu Facebooks Listen, auf Google+ Circles genannt. Diese Freundeskreise werden einfach per Drag&Drop erstellt. Anschließend kann man dann für jede Statusmeldung entscheiden, welcher dieser Circles die lesen können soll. Das klappt auch problemlos mit der Android App. Diese Funktion lässt die Facebook App stark vermissen. Google+ macht es mir also leichter, bestimmte Inhalte nur mit bestimmten Leuten zu teilen. Das benötige ich zum Beispiel auch für die grobe Filterung aller meiner deutschen Statusbeiträge, so dass meine nicht-deutschsprechenden Kontakte ihre Timeline nicht mit Beiträgen zugepackt bekommen, die sie nicht verstehen. Aber natürlich habe auch ich Dinge, die ich meinen Kumpels aber nicht meinen Eltern und bestimmt nicht meinen Kollegen online mitteile ;-) Dafür wurden die Circles eigentlich  eingerichtet, sagt Google.

Eine weitere Funktion von Google+ nennt sich Sparks. Diese Inhalte serviert Google mir, nachdem ich vorher Interessen angegeben habe (funktioniert so ähnlich wie Google Alerts). Das klappt bei mir für moodle und eLearning gut, für Kooperatives Lernen nicht.

Interessant finde ich die sogennannten Hangouts. Hangouts sind spontan einrichtbare Gruppen-Videochats. Diese Idee finde ich toll. So kann ich vielleicht in Zukunft mit meinen Freunden aus aller Welt virtuell zusammensitzen und ein Bierchen trinken. Google scheint verstanden zu haben, wofür soziale Netzwerke eigentlich besonders nützlich sind: das Kontakthalten auch auf geografische Distanz. Als ich 1997 nach England zog (vor der Verbreitung von privaten Internetanschlüssen und Email), habe ich ca 90% meines Freundeskreis im Laufe der acht Jahre England verloren.  Für mich bedeutet Facebook, dass ich trotz meines Wegzugs aus England mit vielen Leuten Kontakt halte und weiß, was in ihrem Leben gerade so los ist. Nun können Menschen, die wegziehen sogar mit einem ganzen Freundeskreis per Videochat spontan "klönen".

Wie zu erwarten war, hat Google viele seiner Dienste in Google+ integriert (die Hangouts werden letzendlich mit GoogleTalk realisiert). So kann ich meine Picasa Webalben dort veröffentlichen (ich bekomme sogar zusätzlichen kostenlosen Speicher dafür, siehe hier...)

Natürlich kann man, genau wie auf Facebook, Links, Videos, Bilder, usw. teilen. Wäre ja sonst auch kein Soziales Netzwerk heutzutage. Was zum Glück noch fehlt, sind die Spiele und Anwendungen, die dafür sorgen, dass ich mich auf Facebook manchmal wie ein Gatecrasher auf einer Teenieparty fühle :-) Das zusammen mit dem klareren minimaleren Design verleitet mich zum Slogan "Google+  - das soziale Netzwerk für Erwachsene!", wobei das könnte man auch falsch auslegen ;-)

Das hier wäre kein Beitrag auf edumorph, wenn ich gar nicht auf die Chancen für's Lernen und Lehren eingehen würde. Schulisch natürlich nicht einsetzbar, denke ich, aufgrund der Datenschutzproblematik. In der Erwachsenenbildung bestimmt einsetzbar. Die Circles erlauben das leichte Einrichten von Lerncommunities und können so viele Aspekte abdecken, die in einer Lernplattform wie z.B. moodle (manchmal durchaus berechtigterweise) keinen Platz finden. Die Hangouts können zu spontanen Hausaufgabenrunden, Nachhilfeeinheiten, usw. benutzt werden, usw. Mit Google+ lässt sich also eher die Funktion der Cafeteria / Studentenkneipe realisieren, mit einem LMS eher die der Klassenräume, Bibliothek, usw. einer Bildungsinstitution. Das hier es natürlich Schnittmengen gibt, brauche ich bestimmt nicht erwähnen.

Bleibt abzuwarten, ob Google den Zeitpunkt verpasst hat, an dem noch ein weiteres soziales Netzwerk etabliert werden konnte. Ich glaube Facebook Nutzer werden nicht wechseln. Dafür haben sie zuviel in den Aufbau ihres Facebook-Netzwerks gesteckt. Sie werden also höchstens beides nutzen. Bei den Neulingen wird die Entscheidung dadurch getroffen, wo denn die meisten Kontakte unterwegs sind. Da bisher Facebook Platzhirsch war, muss Google dort dringend etwas tun. Hier könnte Google die Tatsache helfen, dass viele Menschen schon ein Google Konto haben und keinen neuen Login, etc. anlegen müssen. Ich glaube persönlich Google+ spricht eher die etwas etablierteren Internet-Nutzer an, also nicht die Facebook Teens und Twens. Dort könnte Google+ evtl. seine Initialzündung erleben.

Erwähnen möchte ich noch, dass (zurzeit) keine Werbung auf Google+ geschaltet ist. Dass Google Nutzerdaten verwenden wird, um auf anderen Seiten personalisierte Werbung zu schalten sollte aber klar sein. Die Nutzer müssen sich also fragen: "Bei wem wähne ich meine Daten besser aufgehoben?" Wem schenken sie Ihre Daten, Facebook, Google, oder beiden?

Kommentare:

  1. Hallo Stephan,

    sehr gute Einschätzung von Google+, ich teile ganz deine Meinung. Insbesondere wird Google+ sicher nicht Kinderfacebook. Aber ich denke, es wird eine echte Bedeutung bekommen. Mal sehen, wie FB reagiert.

    AntwortenLöschen
  2. Erste 'interessante' Rückmeldungen habe ich schon gehört:

    "Das ist ja noch ein Dienst mehr den ich 'pflegen' muss. Facebook ist mir schon zu viel."

    "Ich will nicht, dass alle meine Daten bei Google liegen."

    AntwortenLöschen
  3. [...] Abschluss habe ich noch kurz Google+ gezeigt und angedeutet, dass dieser Dienst rein funktionell betrachtet das Potential hat Twitter [...]

    AntwortenLöschen