Mittwoch, 6. Juli 2011

The Networked HPM

Es steht zwar auch hier, aber für diesen Artikel ist es besonders wichtig: ;-)
Die hier geäußerten Meinungen und Einschätzungen sind meine eigenen und nicht zwangsläufig die meines Arbeitgebers bzw. der VHS Essen!

Vernetzen analog...


Gestern habe ich auf der Landesfachkonferenz Sprachen des Landesverbandes der Volkshochschulen in NRW einen Workshop gehalten zum Thema "Konstruktivistisches Lernen mit online Medien in der Praxis". Es war sozusagen die Erweiterungder Ausführungen in Karsten Kneeses Keynote am Morgen um die praktischen Umsetzungen.

Vielleicht sollte ich noch für alle nicht VHSler erklären, was ein HPM ist. HPM steht für Hauptamtlicher Pädagogischer Mitarbeiter. Das sind die Menschen an Volkshochschulen, die Programmbereiche leiten und dort Kurse organisieren, Kursleitende auswählen, schulen und begleiten, Teilnehmende beraten, usw. Bei rund 135 VHSen im Land NRW ist das schon eine große Anzahl Menschen, die sich mit dem Thema Weiterbildung innerhalb von Volkshochschulen professionell beschäftigen!

So, jetzt aber zurück zum Thema Lernen mit online Medien ;-)

Ich habe in meinem Workshop in ganz knapper Form die Bildungstheorie des Konnektivismus nach Downes und Siemens vorgestellt und anschließend anhand von Beispielen erläutert, wie diese Theorie Lernenbeschreibt. Wer mehr über Konnektivismus erfahren will, findet hier Lesematerial... Die Beispiele waren konkrete (meist reale) Szenarien, die die Anwendung meines Schweizer Messers für's Web 2.0 zeigten. Ich habe gezeigt,

  • wie Twitter als erweitertes Kollegium wohlwollender, sachkundiger Menschen eine Quelle für Hilfe und Rat sein kann.

  • wie Facebook zum gleichen Zweck verwendet werden kann

  • wie kollaboratives Arbeiten (und damit Lernen) mit Etherpad, Google Text und Tabellen und Mindmeister möglich ist (und wie diese Technologien ananlogen Verfahren überlegen sind).

  • wie ich mir über RSS-Feeds aus Blogs, Social Bookmarks (z.B. Diigo) und Google-Alerts für mich relevante Informationen beschaffe.


Zum Abschluss habe ich noch kurz Google+ gezeigt und angedeutet, dass dieser Dienst rein funktionell betrachtet das Potential hat Twitter und Facebook abzulösen.

Die Reaktionen aus der Teilnehmerschaft waren geteilt. Zum einen war Begeisterung über die technischen Möglichkeiten und Chancen der Vernetzung zu spüren. Es wurden aber auch Ängste zum Datenschutz, Gefühle des Überfordertseins ob der Informationsflut und die Meinung, dass diese Informationsflut dazu führt, dass sich niemand mehr bedeutungsvoll und gründlich mit diesen Informationen auseinandersetzt, formuliert. Auch die Kritik, dass die "digitalen" Beziehungen in sozialen Netzwerken oberflächig und bedeutungslos seien, wurde geäußert.

Die Ängste zum Datenschutz kann ich nicht nehmen, außer den Tipp zu geben, nichts zu veröffentlichen, was ich nicht auch auf großer Plakatwand vor dem Küchenfenster meiner Mutter veröffentlichen könnte. Ob und wie Dienste wie Google, Facebook und Co. die Ihnen von uns zur Verfügung gestellten Daten miteinander verknüpfen und auswerten, um damit unheere Ziele zu verfolgen, kann ich hier nicht erschöpfend darlegen. Und ich gebe zu, dass mich auch manchmal ein komisches Gefühl überkommt. Für mich habe ich aber die Entscheidung getroffen, dass es mehr Vorteile als Nachteile gibt. Diese Entscheidung muss aber jeder selber treffen (am Besten natürlich so informiert wie möglich)!

Ich habe trotz dieser Bedenken aber die Vision, dass über kurz oder lang, HPMs sich auch digital vernetzen werden, sei es über Twitter, Facebook, beidem, oder dem nächsten sozialen Netzwerk,dass die Bedürfnisse des Informationsaustauschs erfüllen kann. Allein die Anzahl an HPMs in Deutschland, die sich mit den gleichen Problemen, Thematiken und Inhalten beschäftigen, legt eine Vernetzung nahe. Einen Grund möchte ich hier ansprechen:

Wie immer auf Konferenzen war das wirklich interessante bei der Landesfachkonferenz, der in den Pausen und bei der Abendveranstaltung stattfindende Erfahrungsaustausch über

  • Dinge, die gut laufen (so dass ich das auch mal ausprobieren kann)

  • Probleme, die gelöst wurden (wenn dieses Problem bei mir auftritt, habe ich schon eine Lösungsstrategie, auf die ich zurückgreifen kann)

  • Probleme, die nicht gelöst wurden (ich fühle mich nicht mehr allein).


Die online Vernetzung hat die Chance, diese informellen aber wichtigen Dialoge auch außerhalb von Konferenzen in einem noch größeren Kreis weiterzuführen. Man bedenke einfach nur das gebündelte Fachwissen in den einzelnen Köpfen dieser HPM! Vielleicht würde dann folgendes passieren:
Tweet: "Gerade wurde bei uns der innovative Kurs XYZ erfolgreich beendet. Die Teilnehmer waren begeistert. Mehr Infos hier... (Link zum Kursangebot) und bei mir"

Facebook-Beitrag an die Gruppe HPMs:
"Ich habe folgendes Problem mit der Verwaltungssoftware ....
Weiße jemand, wie ich .... kann? Ich würde mich über Lösungsvorschläge in den Kommentaren freuen. Dank im Voraus!"

Blogartikel, der Inhalte einer Tagung zusammenfasst, reflektiert und weiterführende Links gibt.

Wer möchte mit mir den Anfang wagen und richtet sich einen Twitter-Account ein? Ich bin @stephanrinke auf Twitter und ich schlage den Hashtag #vhshpm für alle Tweets mit VHS Inhalten vor. Danach sehen wir weiter und entwickeln uns Schritt für Schritt zu den vernetzten (voneinander-)Lernern, die in den nächsten Jahren in unseren Institutionen lernen sollen. Denn, wenn wir die zukünftigen Kunden unserer VHSen nicht verstehen, können wir auch keine bedarfsgerechten Weiterbildungsangebote planen.

Wie denkt ihr darüber? Über Kommentare freue ich mich!

Kommentare:

  1. Facebook, Twitter und alles andere, was es da so gibt, sind Tools einer neuen Kommunikationskultur in unserer Gesellschaft. Aus professionellen Gründen möchte ich da, soweit wie es geht, auf dem Laufenden sein.
    Nur so können die VHS Veranstaltungen geplant und durchgeführt werden, die in Zukunft genug TN finden.
    Ich würde mich über eine Facebook Gruppe HPM sehr freuen und wäre gern dabei, schon allein, weil es so viele nette Leute in unserer Branche gibt.

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  2. Danke für deinen Kommentar, Heike!

    Deinem Vorschlag folgend, habe ich eine geheime Facebook-Gruppe "VHS HPMs" gegründet und dich und andere HPMs, die ich kenne hinzugefügt. "Geheim" bedeutet, dass nur Gruppenmitglieder sehen können, wer in der Gruppe ist und dass alle Inhalte nur für Gruppenmitglieder zu sehen sind.

    Wer dort auch Mitglied werden will. kann sich gerne bei mir melden!

    Beste Grüße,

    Stephan

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  3. Hallo Stephan,
    wir bleiben am Ball. Aber warum noch ein vhs-Hashtag: #vhshpm ? Reicht uns nicht #vhs ?
    Liebe Grüße
    Hanna

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    1. Ganz einfach Hanna: es wird Menschen geben, die sich für Weiterbildung und VHS interessieren, die aber pot. TeilnehmerInnen sind und nicht an "unserem" HPM-Kram interessiert sind ...

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