Sonntag, 3. März 2013

Moodlemoot 2013 - meine kleine Nachlese


In meinen Augen war die Moodlemoot in München ein voller Erfolg. Ich habe wieder viel lernen können, häufig erst dadurch, dass ich selber Workshops geleitet habe.


Julian Ridden und Stephan RinkeSo habe ich von Julian Ridden (@moodleman) einen Kurs gesehen, der beweist, dass mit Moodle richtig gut aussehendes und fesselndes Gamebased Learning möglich ist, wenn man sich ein bisschen Zeit nimmt und ein wenig Sinn für Design hat (Bildbearbeitungskenntnisse helfen auch ;-) ) Sein Kurs zur Beteiligung Australiens im Vietnamkrieg für den australischen Geschichtsunterricht hat mich und alle Anwesenden unseres gemeinsamen Workshops "Moodle muss schöner werden" schwer beeindruckt und bei dem einen oder der anderen sicher Lust darauf gemacht, so etwas auch zu probieren.

In Christine Pannens Vortrag zu Moodle in der Grundschule habe ich mal wieder gesehen, dass Moodle zur Gestaltung einer ansprechenden und dialogischen Schul-Homepage verwendet werden kann. So wird Moodle an der Adolf-Clarenbach-Grundschule, Heiligenhaus-Isenbügel nicht nur mit den Schülern und Schülerinnen, sondern auch für Elternarbeit verwendet. Gleichzeitig wird durch ein virtuelles Lehrerzimmer ähnlich unserem eigenen im Fachbereich "Schulische Weiterbildung" der VHS Essen, sichergestellt, dass Vereinbarungen und Beschlüsse festgehalten werden und Material allen leicht auffindbar zur Verfügung gestellt wird.

Bei der Vorstellung der Aktivitäten und Lerneinheiten auf Moodle für die Schülerinnen und Schüler habe ich zum ersten Mal von learningapps.org gehört. Wie mir diese super Ressource vorher die Lappen gehen konnte, ist mir schleierhaft :-/ Learningapps.org macht es einfach, kleine Lerneinheiten als Spiel zu gestalten und exportiert auch ins SCORM-Format, so dass Bewertungen an das Moodle-Notenbuch übergeben werden können. Aber auch das einfache einbetten per HTML-Editor ist möglich. Hier lässt sich die Aktivität "Buch" verwenden, um mehrere Spiele hintereinander durchklicken zu lassen.

In Mary Cooch's (@moodlefairy) Vortrag, den sie vollständig und fehlerfrei auf deutsch hielt, war es interessant für mich zu hören, dass die neue Regierung unter Cameron, die gesetzliche Verpflichtung englischer Schulen ein LMS einzusetzen, wieder rückgängig gemacht hat. Das hat zwar den Einsatz von LMS nicht wieder zurückgehen lassen, da die Verwendung eines LMS mittlerweile schon in die normale Schulkultur übergegangen ist, aber es hat für Mary folgen in Bezug auf die Bereitstellung und Upgrades gehabt. Der neue "Dienstleister" British Telecom stellt sich auf den Standpunkt, dass ein Update auf Moodle 2.x nicht priorität von ihnen angegangen wird, weil der Einsatz eines LMS ja nur freiwillig und zusätzlich geschieht. Somit steckt die Schule seit Monaten auf der Version 1.9.x fest :-( Toll war auch in diesem Beitrag zu sehen, wie natürlich in Englischen Grundschulen mit Moodle gearbeitet wird und wie sehr die Kinder Moodle schätzen!

In Jan Bartelsens Vortrag über Mobile Learning erfuhren wir am Ende dank Moodleman Julian Ridden, dass die neue Moodle App so gut wie vor der offenen Beta-Phase steckt. Er zeigte und den aktuellen Stand der Entwicklung auf seinem Laptop und ich kann sagen, dass alles schon sehr beeindruckend aussah. Das wird bestimmt eine tolle Sache!


Die Keynote von Gunter Dueck war zwar dank seines ihm eigenen Vortragsstils unterhaltsam und machte auch ein wenig Mut, dennoch blieb sie mir viel zu sehr an der Oberfläche und brachte wenig Anregungen für das konkrete Vorgehen, um die deutsche Bildungslandschaft endlich ins 21. Jahrhundert zu bringen.

Martin Lindners Keynote am Freitag war auch eher theoretisch, aber in punkto Unterhaltsamkeit musste er sich nicht wirklich hinter Gunter Dueck verstecken. Nur die Routine eines @wilddueck fehlte ihm. Besonders seine Episode zu Lehrerfragen ist mir im Gedächtnis geblieben. Als der der Philologenverband unlängst beklagte, dass "immer mehr Schüler [...] während des Unterrichts [schummelten], indem sie mit ihren Smartphones Antworten im Internet suchen", fragte er seine schulpflichtige Tochter, ob dem wirklich so sei. Die sinngemäße Antwort drauf: "Nee, normalerweise lassen wir Fragen, deren Antwort man Googlen kann, eigentlich einfach versanden. Vielleicht tun wir einem Lehrer, der besonders nett ist aus Mitleid noch den Gefallen". Das sagt viel über die Reife von einigen Schülerinnen und die Ewiggestrigkeit der Unterrichtsphilosophie des Philologenverbandes aus.

Von der Videokonferenz mit Martin Dougiamas, die ich moderieren und dolmetschen durfte (jetzt bin ich glaube ich wirklich die deutsche Stimme von Martin :-D ), ist bei mir im Gedächtnis geblieben, dass die zukünftige Entwicklung von Moodle auf Usability und Mobile Learning fokussieren wird.

Darüberhinaus gab Martin auf Anfrage bekannt, dass ein Moodle Developer Certificate (analog zum Moodle Course Creator Certificate) nicht geplant sei, da es durch die stetige Fortentwicklung von Moodle, zu schnell veraltet und irrelevant werden würde. Er empfahl das Beheben von Bugs und das Programmieren von guten Plugins, um sich in der Moodle Developer Welt einen Namen zu machen und zu beweisen, dass man in dieser Weise kompetent ist. Das Mitarbeiten an Moodle führt auch dazu, dass man auf der Seite http://moodle.org/dev genannt wird.

Weiterhin erinnere ich mich, dass die Version 2.6 als Long Term Support Version angepeilt wird, um Institutionen mehr Sicherheit und Kontinuität bieten zu können, analog z.B. zu den LTS Versionen von Ubuntu.

Im Großen und Ganzen muss ich jedoch mal wieder sagen, dass das Wichtigste an einer Moodlemoot die Gespräche zwischen den Sessions und am Abend sind. Dort habe ich wieder viele Tipps erhalten und man sieht dort (bei über 400 Teilnehmenden der Konferenz), dass man wirklich nicht mehr der "online Spinner" ist, für den man 2007 noch gehalten wurde. Das Phänomen Moodle geht richtig in die Breite. Jetzt muss es noch dringender darum gehen, pädagogisch vernünftige Anwendungsszenarien auszutauschen und (bei Weitem nicht nur) Moodle-Neulingen, die Kursgestaltungsmöglichkeiten in Moodle für zeitgemäße, soziale und effektive Lernszenarien nahe zu bringen.

David Mudrak, einer der Moodle HQ Kern-Entwickler war auch wieder mit einem Developer Workshop am Start und hat mal eben während der Konferenz als Konsequenz eines Feature-Requests in einem Workshop über Peer-Assessment, das Workshop-Modul verbessert. Auch wenn ich seinen Ausführungen über die Programmierung von Moodle aufgrund meiner fehlenden Programmierkenntnisse nicht folgen kann, in Bezug auf Methodik und pädagogischer Nutzung von Moodle haben wir immer bereichernde Diskussionen.

Besonders hervorheben muss ich aber, dass es toll war, endlich zwei der weltweit bekanntesten Moodler endlich persönlich kennenzulernen -Mary Cooch, die unter anderem für den Großteil der englischen Dokumentation und somit auch für die Grundlage der deutschen Übersetzung verantwortlich ist, und Julian Ridden, der durch seine liebevoll gestalteten Themes und toll gestalteten Moodle-Lernszenarien in der Moodle-Community fast jedem bekannt ist.


Danke an alle, mit denen ich während der Konferenz Kontakt hatte. Ich habe viel von euch gelernt!

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