Dienstag, 24. März 2015

Wer einen Plan hat, darf auch auf eLearning Konferenzen mit Pinnwänden arbeiten!

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Einstiegsfolie unseres SCARF-Workshops auf der Moodlemoot 2015 in Lübeck
Andreas Wittke fragt in seinem Blogpost vom 22. März: "Darf man Metapläne bei E-Learning Konferenzen benutzen?". Seiner Meinung nach gelte der "alte Spruch: Man soll immer das beste Tool nutzen, es kommt doch auf das didaktische Konzept an?" nicht. Wie er das begründet, lässt sich hier nachlesen: http://www.onlinebynature.com/2015/03/darf-man-metaplaene-bei-e-learning-konferenzen-benutzen/


Bevor Sie meine abweichende Meinung dazu lesen, habe ich ein Geständnis zu machen: Ich bin ein Auf-eLearning-Konferenzen-Pinnwände-Benutzender! Manchmal will ich sogar gleich fünf von den Dingern und dazu noch Moderationskoffer, aber auch Beamer und Internetzugang für mich und die Teilnehmenden.


Was im Blogpost meiner Ansicht nach übersehen wird, ist, dass man in der Entwicklung eines didaktischen Konzeptes die zu vermittelnden Lernziele und Rahmenbedingungen berücksichtigen muss. Man wählt sich ja nicht unreflektiert ein didaktisches Konzept aus und sucht dann die Werkzeuge und Medien dazu. Stattdessen berücksichtigt man Lernziele, die zur Verfügung stehende Zeit, die herrschenden Rahmenbedingungen, das anzunehmende Vorwissen der Teilnehmer_innen, etc. um zu einem didaktischen Konzept zu kommen.


Wenn die Lernziele für eine eLearning-Konferenz valide sind und nach Berücksichtigung dieser, sowie der zur Verfügung stehenden Zeit und der anzunehmenden Vorkenntnisse der Teilnehmer_innen ein didaktisches Konzept am besten geeignet erscheint, das sich auch analoger Medien bedient, sind Pinnwände, Moderationskoffer, von mir aus auch Kreidetafeln erlaubt! Insbesondere, wenn das didaktische Konzept Aspekte des Lernens berücksichtigt, die von den meisten auf Konferenzen gegebenen digital unterstützen Beiträgen ignoriert werden (z.B. dass aktiv in den Lernprozess einbezogene Lerner bessere Behaltensleistungen haben, dass nach spätestens 20 Minuten ohne Methodenwechsel o.Ä. die Aufmerksamkeit schwindet, etc.). Noch immer werden mir auf Konferenzen Folien vorgelesen, obwohl ich mindestens drei Mal so schnell lesen kann, wie Vortragende reden können...


Konferenzen geben den Beitragenden aufgrund Ihrer Struktur häufig nur eine sehr kurze Zeitspanne, um Inhalte zu vermitteln. Bei Demonstrationen von Software, Plugins, etc. mag eine Demonstration ausreichen, um Teilnehmer_innen zu informieren. Wenn es aber um Inhalte geht, bei denen man in sehr kurzer Zeit eine Verhaltensänderung durch aktive Auseinandersetzung mit dem "Stoff" und dem Reflektieren der eigenen eLearning-Praxis erreichen will, ist ein digitales Werkzeug-Feuerwerk nicht angemessen. Wahrscheinlich führt es eher dazu, dass zurecht die Frage aufkommt: "Warum bedienen wir uns digitaler Werkzeuge, die keinen Mehrwert bieten und längere Zeit in Anspruch nehmen als analog zu arbeiten?". Insbesondere vor dem Hintergrund, dass bei herkömmlichen Konferenzen die Teilnehmer synchron und in der Präsenz arbeiten, ist der Einsatz digitaler Werkzeuge um des Einsatzes Willens fragwürdig. In ganztägigen Pre-Conference Workshops kann da zum Beispiel schon anders gearbeitet werden.


Auf (eLearning) Konferenzen muss es um mehr gehen, als das Vorkauen von Inhalten durch Präsentierende. Richtig gewinnbringend sind in der Regel nur Szenarien, die einen Austausch mit anderen auf Augenhöhe ermöglichen. Wenn durch den Einsatz analoger Medien, dieser Austausch unmittelbarer und mit besserer Reflektion und höherer Behaltensleistung möglich ist und zu einer Verbesserung der gegenwärtigen eLearning Praxis führt, dann sollten diese eingesetzt werden!


Michael Tighe und ich haben auf der letzten Moodlemoot in Lübeck einen Workshop gehalten, der nach Aussage der Teilnehmenden (nicht zuletzt Martin Dougiamas selbst):


- sich durch einen hohen Interaktions- und Reflektionsgrad auszeichnete
- Medienvielfalt hatte (eben nicht nur Pinnwände, die zur Präsentation von Ergebnissen mehrerer Arbeitsphasen benötigt wurden, sondern zusätzlich auch digitale)
- ein Gebiet repräsentierte, das auf Moodle-Konferenzen noch immer unterbesetzt ist; insbesondere, wenn der von mir sehr geschätzte Max Woodtli nicht dabei sein kann: Verbesserung der Lernergebnisse durch verbesserte Kollaboration
- erfolgreich einen Reflektionsprozess startete, der zur Verbesserung der gegenwärtigen Moodle-Praxis führt


Wenn, wie Andreas Wittke es sich selber wünscht, Konferenzen anders organisiert werden, dann sieht die Sache schon ganz anders aus. Dann ändern sich die Rahmen- und Zeitbedingungen für ein zu entwickelndes didaktischen Konzept. Konferenzen, die als Mischung asynchroner und synchroner Phasen mit eingeplanten online Elementen oder gar als cMOOC organisiert sind, würden ein entscheidender Schritt nach vorne sein! Hier wäre in der Tat der Einsatz gut gewählter und zu didaktischem Szenario passender online Werkzeuge nicht nur sinnvoll, sondern unumgänglich. Und mit MOOCs hat Andreas Wittke Erfahrung und mit Mooin sogar ein für MOOCs angepasstes Moodle.

Vielleicht wäre das ja eine tolle Alternative: eine deutschsprachige online Moodle-Konferenz, die ähnlich wie die iMoot über einen längeren Zeitraum läuft, mit Inputs von Beitragenden, die zusätzlich online diskutiert, erweitert, angepasst und umgemoodlet ;-) werden können. So könnte auch auf einer Konferenz (darf man die dann noch so nennen?) konstruktionistisch/konstruktivistisch gearbeitet werden und der State of the Art der eLearning Methodik und Technologie sollte zum Einsatz kommen. Bitte beachten, ich schreibe: Methodik und Technologie. Denn: “a fool with a tool is still a fool”!


So lange bei Konferenzen noch die bestehenden Zeitstrukturen herrschen und man sich noch immer nicht darauf verlassen kann, dass die zur Verfügung gestellte Technik einwandfrei funktioniert, so lange müssen Organisatoren damit leben, dass auch mal einer ein paar Pinnwände haben möchte ;-) Denn manchmal ist die future noch immer nicht now :-D

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Partnerarbeitsphase in unserem SCARF-Workhsop

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